Werke und Texte

Wind des Geistes – Leseprobe aus „Aktion und Reaktion – unabdingbare Gerechtigkeit“

 

Würde das universal gültige Gesetz von Aktion und Reaktion - auch Karman genannt -  besser verstanden werden, könnte viel Leid und Elend im menschlichen Leben vermieden werden. Karman ist essenziell eine Kette der Verursachung, die zurückreicht in die endlose Vergangenheit und die sich daher notwendigerweise auch in die endlose Zukunft erstrecken muss. Dabei ist Karman in keinem Sinn des Wortes Fatalismus und entspricht auch nicht dem, was allgemein mit „Zufall“ bezeichnet wird. Es ist im Wesentlichen die Lehre vom freien Willen. [d. Hrsg.]

Kein Mensch kann den Naturgesetzen jemals entrinnen, denn jeder Ursache folgt eine Wirkung. Es gibt kein Entkommen. Kein Gebet, keine Bitte, nichts wird den Lauf der spirituell-göttlichen Ordnung ablenken: So wie wir sind, denken und handeln, so werden auch die Früchte sein, die wir erzeugen. Sie sind unsere Kinder. Tun wir Gutes, wird Gutes zu uns zurückkommen. Tun wir Böses, wird uns die Natur als Reaktion die gleichen unharmonischen Schwingungen zurückbringen.
[…]
Die Menschen wissen nicht mehr, dass sie das ernten, was sie gesät haben — und nichts anderes. Was bedeutet dies? Einerlei wie dunkel der Tag sein mag, einerlei wie hoffnungslos die Situation erscheinen mag, wer Gutes oder Schlechtes bewirkt, wird zur rechten Zeit die angemessene Vergeltung erhalten, und zwar genau im Verhältnis zu dem Guten oder Bösen, das bewirkt wurde. Die Menschen wissen nicht, dass sie keine Hassgedanken hegen können, ohne ihren eigenen Charakter zu entstellen, d. h., ohne ihn zu schwächen, ihn weniger gefestigt, weniger anziehend, weniger intuitiv, weniger scharfsinnig zu machen. Es erfordert tatsächlich Charakterstärke, ein guter Mensch zu sein und entsprechend den Gesetzen zu handeln, doch diese Stärke kann durch Übung erreicht werden.

Was wir säen, werden wir ernten, und was wir jetzt ernten, ist das, was wir in der Vergangenheit gesät haben. Genau das ist es, was die Welt jetzt erfährt: die Ernte dessen, was die Menschen gesät haben. Doch Zustände wie die derzeitigen werden nicht ewig währen, sie sind nur zeitweilige Erscheinungen. Das sogenannte eiserne Zeitalter der Prüfung und des Kummers wird von einem sanfteren und freundlicheren Zeitalter abgelöst; doch währt dieses nur so lange, bis die Menschen der Schönheit und der Harmonie überdrüssig werden und wieder wahrhaft geniale üble Intrigen und Machenschaften ersinnen. Das Resultat ist ein neues dunkles Zeitalter, eine neue Schreckenszeit, in der die Menschen alles haben wollen, was sie nur bekommen können. Doch die Natur lässt sich nicht unablässig ausbeuten, und der Mensch ist es, der ihr schließlich Tribut leisten muss.
[…]
Das ist die großartigste Lehre, die menschlicher Geist jemals dem Schoße der kosmischen Wahrheit entrissen hat. Es gibt kein Entrinnen. Welch wunderbare Verhaltensregel bringt dies in unser Leben. Wir können niemals ungestraft davonkommen, selbst wenn wir es noch so oft versuchen sollten: Es gibt kein Entrinnen. Wir müssen bis zum letzten Heller bezahlen, und dann beginnt unsere neue Chance, weil wir unsere alte Schuld bezahlt haben. Das ist die Lehre von Karman. Menschen, die diese Lehre nicht verstehen, mögen denken, es sei grausam und rücksichtslos, dass die Natur ihre Gesetze hat und bei deren Übertretung für exakte Vergeltung sorgt, womit sie den Schutz der kosmischen Harmonie bewahrt. Doch wir sollten bedenken: Was würde uns zur Einhaltung dieser Gesetze veranlassen, wenn es nicht so wäre? Wir hätten keinen Schutz und ebenso wenig die Götter selbst; es gäbe weder Gesetz noch Ordnung. Die Wiederherstellung der Harmonie ist die größte und wundervollste Tätigkeit der Natur. Dies ist der erhabene Gedanke, die Zuflucht für die Guten, das großartige Prinzip für die Durchführung des Guten und die Warnung für Übeltäter.

Fassen wir Mut. Nehmen wir das, was kommt, beherzt auf uns. Wenn wir in der Vergangenheit etwas falsch gemacht haben, werden wir damit unsere Schuld bezahlen und gleich einem leeren Blatt frei sein, um unser Geschick erneut darauf schreiben zu können. Eine Phase der Entwicklung ist beendet. Ein neuer Pfad und neue Chancen öffnen sich uns. Wir sind nun frei und haben unsere Schuld bezahlt. Wir sind dem Gefängnis unerbittlicher Verhältnisse entronnen. […]

Aus: Gottfried von Purucker: Wind des Geistes.
Aktion und Reaktion – unabdingbare Gerechtigkeit.
Auszug, S. 79 ff, Hannover 1994.

Gottfried von Purucker: Wind des Geistes

Gottfried von Purucker:
Spirituelles Erwachen

ISBN 978-3-924849-48-1 (Hardcover)
 

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