Werke und Texte

Sichtbare und unsichtbare Welten –
Leseprobe aus Kapitel 5
 

 

Zu allen Zeiten wurde von unsichtbaren Welten berichtet, die sich jenseits der physisch sichtbaren Welt befinden. Für den unverdorbenen intuitiven Geist der Menschen vergangener Epochen waren diese unsichtbaren Welten eine Selbstverständlichkeit. Der „wissenschaftlich aufgeklärte“ Mensch von heute hat leider den Zugang und das Verständnis für diese noumenalen Welten verloren.

Die folgenden Auszüge geben einen kleinen Einblick in die Mysterien der „Sichtbaren und unsichtbaren Welten“, in denen uns Prof. Dr. Gottfried von Purucker zu dem fast verlorenen Wissen vergangener Zeiten führt.

Wir leben in einem wunderbaren Universum voller Geheimnisse - Geheimnisse, die einerseits seltsam und schön, andererseits zwar auch seltsam, aber mitunter voller Grauen und furchterregend sind. Geheimnisse sind es aber nur darum, weil wir sie nicht enträtselt haben; nicht Geheimnisse in dem Sinne, dass sie nicht zu enträtseln wären.

Sie sind für uns nur darum noch verborgen und geheimnisvoll, weil unsere physischen Sinne so armselig entwickelte Vermittlungsinstrumente, so unvollkommene Werkzeuge sind, weil sie noch nicht die Fülle ihrer Kraft erreicht haben. Wir bekommen somit nur äußerst unvollkommene und oft äußerst entstellte Berichte von den Dingen, wie sie in Wirklichkeit an sich sind. Dieser unser gesamter Sinnesapparat, der aus fünf Sinnen besteht, hat durchaus noch nicht seine ganze Vollkommenheit erreicht. Er befindet sich noch in einem sehr unvollkommenen Zustand, und zwar derart, dass beispielsweise unser Sehorgan von einem oder zwei der größten Optik-Physiker – insbesondere sei auf Helmholtz hingewiesen - für so unvollkommen erklärt wurde, dass sich Helmholtz dem Sinne nach so ausdrückte: „Wenn ein Optiker mir einen so unvollkommenen physikalischen Apparat wie das menschliche Auge konstruierte, würde ich ihm diesen mit einem Tadel zurückschicken.“

Das menschliche Auge: „Ein lebendiges optisches Instrument ... einem gläsernen so weit überlegen wie die Werke des Schöpfers denen des Menschen.“ – Darwin, On the Origin of Species („Über die Entstehung der Arten“), Kap. VI, S. 146.

Man ist stark geneigt zu glauben, dass, so unvollkommen das menschliche Auge auch sein mag, Darwin doch der Wahrheit näher kam als Helmholtz.

Da uns unsere Sinne also nur einen kleinen Teil der Kräfteskala und der Stufenleiter universaler Energien und Substanzen vermitteln, die das uns umgebende Universum erfüllen, ja es tatsächlich sind, müssen offenbar noch andere Welten, andere Ebenen, andere Sphären existieren, die für unseren Blick unsichtbar, für unseren Griff unberührbar und uns unbekannt oder relativ unbekannt sind. Von diesen können wir auf keine andere Weise als durch den viel feineren Apparat unseres Denkvermögens wissen – und auch das nur zögernd, unvollkommen und schleppend. Denn auch hier haben wir unseren Denkapparat noch nicht so weit geschult, dass er mit dem, was er erforscht, in sympathischer Schwingungseinheit eins werden kann oder dazu gebracht werden kann.

Unser physischer Sinnesapparat ist lediglich ein Kanal, ein fünffacher Kanal, durch den wir nur von der physischen Welt Kenntnis gewinnen, und zwar unvollkommene Kenntnis. Die darin- oder dahinterliegende denkende Wesenheit, die empfangende Wesenheit, die Gemüt, Seele oder Bewusstsein genannt werden kann, besitzt weit feinere und subtilere Sinne als jene unseres groben physischen Körpers. Sie ist der wirkliche Denker und der erkennend Wissende. Besonders im Abendland hat selten ein Mensch die weitreichenden Kräfte dieses psycho-spirituellen Empfängers erprobt - was er leisten kann, was er wissen kann, was er gewinnen kann, indem er nach innen schaut oder sich auf sich selbst zurückzieht. Unser physischer Sinnesapparat, unsere fünf Sinne ziehen tatsächlich unsere Aufmerksamkeit von den wahren Kanälen der Weisheit und des Wissens ab. Sie lenken sie nach außen in das gewaltige, verwirrende Durcheinander phänomenaler Dinge, anstatt sie auf die kausalen Reiche im Innern, die des Universums oder die unserer eigenen Konstitution, zu richten, wo wir die Ursachen der Dinge erkennen können, indem wir uns selbst erkennen.

Auch haben wir noch nicht einmal eine angemessene Kontrolle über unsere Gedanken. Sie laufen ungezügelt und wild durch unser Gehirn wie eine Horde von Elementalen (was sie in Wirklichkeit auch sind) und verderben uns oft sogar unsere Moral. Wir haben wenig Selbstbeherrschung und noch weniger Befähigung für fortgesetztes, selbstbewusstes und selbst geleitetes, konzentriertes Denken. Wir wissen wirklich wenig von unseren inneren Fähigkeiten - den spirituellen, intellektuellen und psychischen - und von dem Sinnesapparat, der zu einer jeden dieser Kategorien gehört und der in jedem Fall wesentlich höher und subtiler ist als der physische. Würden wir diese unsere inneren Sinne besser kennen und üben, was „vollständiger entwickeln“ heißt, könnten und würden wir uns, zumindest bis zu einem gewissen Grade, der inneren und unsichtbaren Ebenen und Welten und ihrer Bewohner bewusst werden. Wir würden bewusst mit ihnen verkehren und in den höheren Bereichen tatsächlich imstande sein, uns mit den Göttern zu unterhalten. Diese Bemerkungen beziehen sich in keiner Weise, auch nicht im aller entferntesten, auf den Verkehr mit Spukgestalten oder sogenannten „Geistern Verstorbener“.

[…]

Moderne Wissenschaftler beginnen, Wahrheitsträume zu träumen und Visionen der Wirklichkeit zu sehen, obgleich sie vielen seltsamen und wundersamen Vorstellungen nachgehen. Sie beginnen, wundervolle Dinge zu denken, und über diese Gedanken kommen sie manchmal zu ebenso wundervollen Schlussfolgerungen. Diese wirken gewissermaßen nicht nur als evolutionärer Einfluss auf das Denken der Menschen ein und gewähren ihnen weitere Ausblicke, sondern werfen auch die älteren Ideen und die sogenannten Prinzipien der Wissenschaft sowie auch die der abendländischen Religionen und Philosophien tatsächlich über den Haufen. Diese Ideen und Prinzipien wurden einstmals als so stabil, so feststehend und so erwiesen hingestellt, dass nichts ihr angeblich zeitloses Fundament, auf dem sie beruhen, je erschüttern könnte. Die größten Geister der modernen Wissenschaft nähern sich einer weit umfassenderen Vorstellung in Bezug auf das universale Leben und die Beziehungen des Menschen zu ihm. Sie sagen einige erstaunliche Dinge im Vergleich zu früheren wissenschaftlichen Ideen.

Der Manchester Guardian (England) brachte einen Artikel mit der Überschrift „New Vision of the Universe“ („Neue Vision vom Universum“), der von einem allseits bekannten wissenschaftlichen Schriftsteller verfasst war. Dieser sagte:

Warum sollte sich die gesamte Materie im Universum in Millionen ungefähr gleich großer und gleichmäßig verteilter Systeme von Sternen, Gas und Staub zerteilt haben? Warum sollten diese Systeme etwa anderthalb Millionen Lichtjahre voneinander entfernt sein, und warum sollte jedes System etwa fünfmal so breit wie dick sein und einige Zehnmillionen von Sternen enthalten?* Diese erstaunlichen Gleichförmigkeiten im Weltall bedeuten, dass die Gesetze der Mechanik unter verhältnismäßig einfachen Bedingungen überall befolgt werden. In der Größenskala haben wir zunächst das Universum. Die zweite Ordnung der Dinge sind die großen Sternennebel. Diese sind in Bezug auf Größe annähernd gleich und bilden die zweite Größenordnung. In den großen Nebeln ist der Stern die Haupteinheit. Gleichwie die großen Nebel selbst weisen auch die Sterne eine außerordentliche Gleichförmigkeit auf, wenn nicht in der Helligkeit, so doch in der Masse. Die Sterne liefern die dritte Größenordnung. Von den Sternen müssen wir abtauchen zu den belanglosen, dunklen, kalten Dingen, die wir Planeten nennen. Diese besitzen etwa ein Zehntausendstel der Sonnenmasse. Dann gibt es noch die Satelliten der Planeten, die eine fünfte Größenordnung bilden ... Kleinere Dinge als diese hat die Natur in ein buntes Allerlei zusammengewürfelt, bis die Einförmigkeit von Molekülen und Atomen erreicht wird. Wir selbst befinden uns in diesem Gemisch, blicken stolz um uns und fühlen uns ein wenig gekränkt. Wir bedauern, dass wir so klein sind, bewundern aber unsere Intelligenz.

Woher ist die Urwolke gekommen? Möglicherweise aus der fünften Dimension! Sir J. H. Jeans meint, die Schwierigkeit, die Gestalt der Spiralarme in den großen Sternnebeln zu erklären, könne nur durch die Entdeckung behoben werden, dass die Zentren solcher Nebel Kanäle sind, durch die Materie von irgendeinem anderen Universum in das unsere einfließt ...

* Die Aussagen betreffs der verschiedenartigen Maße, die in diesem Satz enthalten sind, müssten im Hinblick auf neuere wissenschaftliche Annahmen beträchtlich modifiziert oder abgeändert werden. Und sie bewegt sich doch!

Unsterbliche Götter! Hier haben wir einen Wissenschaftler, jedenfalls einen ganz bekannten wissenschaftlichen Autor, der in diesem Auszug aus seinem höchst interessanten Artikel wie ein mystischer Seher der Weisheit der Zeitalter spricht!

Fahren wir in dem Zitat fort:

Wenn das wahr sein sollte, wie sieht es dann mit der fünften Dimension aus? Welcher Art ist das Hyper-Universum der fünften Dimension? Welche Art von Wesen bevölkern es? Woher kam die fünfte Dimension selbst?

Hier erleben wir, wie ein wissenschaftlicher Autor sich in Gedankengängen äußert, die ein alter Seher gehabt haben könnte. Er spricht von anderen „Dimensionen“, wie er sie nennt, und zieht offensichtlich die Schlussfolgerung, dass von diesen anderen „Dimensionen“ Materie, das heißt Energie, von einem höheren als unserem eigenen Universum in unser physisches Universum einströmt. Dies ist eine alte Lehre der Esoterischen Tradition prähistorischer Zeitalter und der großen Religionen und Philosophien der Folgezeiten, die aus jener prähistorischen Esoterischen Tradition ihre eigenen wesentlichen Inhalte schöpften.

Der von diesem Autor erwähnte J. H. Jeans trat zu jener Zeit mit gewissen Ideen hervor, denen, offen gestanden, der Verfasser dieses Werkes nicht völlig zustimmen kann. Aber dessen ungeachtet drückt Jeans höchst bemerkenswert knapp und brillant eine ganz wunderbare Lehre der Esoterischen Philosophie, eine Naturwahrheit aus. Diese alte Lehre, die von Jeans unbewusst in die auf seinen wissenschaftlichen Studien basierende Schlussfolgerung eingearbeitet wurde, ist eine wahre und intuitive Darlegung okkulter Weisheit. Sie besagt, dass im Herzen der Sternennebel, die in den Räumen des Raumes verstreut sind, etwas existiert, was er „singuläre Punkte“ oder Zentren nennt, von denen und durch die Materie in unser physisches Universum einströmt. Und dieser Strom substanzieller Energie kommt aus einer „fünften Dimension“ zu uns, wie er es ausdrückte, oder mit seinen eigenen Worten: Diese Zentren sind Punkte,

an denen aus irgendeiner anderen, gänzlich fremden räumlichen Dimension Stoff in unser Universum eingeschleust wird, sodass diese einem Bewohner unseres Universums als Punkte erscheinen, an denen fortgesetzt Materie geschaffen wird.

Astronomy and Cosmogony, S. 352;
mit Erlaubnis des Verlages Macmillan Company

Gegen den Gebrauch des Wortes „Dimension“ erheben wir aber energischen Widerspruch: erstens, weil er unangemessen, zweitens, weil er nicht exakt, und drittens, weil er nicht anschaulich ist. „Dimension“ ist ein Ausdruck des Maßes, des Messens. Aber was macht das schließlich aus, wenn im Wesentlichen die Idee, über die wir reden, vorhanden ist? Die „fünfte Dimension“, von der dieser Autor spricht, nennt er darum die „fünfte“, weil für die Wissenschaft, wenn wir Dr. Albert Einstein – berühmt durch die Relativitätstheorie – folgen, die Zeit anscheinend die „vierte Dimension“ ist. Sie kann in gewissem Sinne mit Recht so genannt werden, denn Zeit ist der Messkunst, der Vermessung unterworfen. Andererseits aber würden wir es vorziehen, die „Dimensionen“ dieses sehr interessanten wissenschaftlichen Autors und anderer moderner Wissenschaftler „Welten“, „Sphären“, „Ebenen“ zu nennen, wobei es auf den einzelnen Fall ankommt. Und wir behaupten, dass sie den kausalen Hintergrund des ganzen sichtbaren Universums bilden und dass unsere eigenen höheren menschlichen Prinzipien, die höheren Teile unserer Konstitution, in diesen unsichtbaren Reichen leben, in diesen sogenannten, aber fälschlich so genannten „anderen Dimensionen“. Wir sind dort ebenso gut zu Hause, wie unser physischer Körper hier auf unserer physischen Erde zu Hause ist.

[…]

Unsere Welt mit den Dingen und Wesen, die wir sehen und fühlen können, mit unserer gegenwärtigen Menschheit, unseren Arten von Zivilisation; unsere Welt, die die Menschen, die Vegetation, die Tiere und Mineralien trägt, die auf ihr leben und sind: Sie ist so, wie sie ist, weil sie eine Reflexion, ein Spiegelbild, eine Wirkung, mit anderen Worten, eine Manifestation innerer, verborgener, vitaler Ursachen ist, die sich analog um uns herum reproduzieren und unsere Welt zu dem machen, was sie ist. Diese inneren Welten beherrschen die äußeren derart, dass alles, was sich auf dieser unserer physischen Ebene zuträgt, das Resultat der inneren Kräfte und Energien, Substanzen und Mächte ist, die am Werk sind, sich nach außen hin zum Ausdruck zu bringen. Die Fähigkeiten eines Menschen wirken in derselben Weise durch seinen physischen Körper hindurch, denn der Mensch ist im Kleinen eine Kopie dessen, was das Universum im Großen ist.

Erdbeben, Sturmfluten, Vulkanausbrüche, Nordlichter, Südlichter, Stürme, Unwetter, Hagelschläge und elektrische Stürme, das Gehen und Kommen von Eiszeiten, endemische, epidemische und pandemische Krankheiten, das stille Wachsen des Grases auf den Wiesen oder das Blühen der Blumen, die Entwicklung des Menschen aus einer mikroskopischen Zelle zu einer ca. 1,80 m großen Person, die entsprechende Entwicklung einer jeden anderen beseelten Wesenheit, die ungeheuren titanischen Kräfte, die im Innern und an der Oberfläche unserer Sonne am Werke sind, und die regelmäßigen, periodischen Pfade, denen die Planeten mit unabänderlicher Genauigkeit und Pünktlichkeit folgen, sowie auch die Phänomene ihrer eigenen planetarischen Evolution – dies alles sind weitere Beispiele, und überall in der physischen Natur lässt sich dieselbe Beobachtung anstellen. Es sind Beispiele dafür, wie diese inneren kausalen Kräfte von innen heraus nach außen wirken; sie illustrieren die inneren, treibenden, zwingenden Kräfte, die in den inneren Welten eingeschlossen und wirksam sind und sich nun nach außen hin zum Ausdruck bringen. Tatsächlich sind, um es klarer auszudrücken, alle diese physischen Phänomene, die soeben aufgezählt wurden, und auch alle anderen, die des Lesers eigene Kenntnis und Fantasie leicht als Beispiele geben können, nur die in unserer äußeren physischen Sphäre erscheinenden Wirkungen dessen, was in den inneren, unsichtbaren Reichen vor sich geht – den inneren, unsichtbaren Welten und Ebenen. Dort drinnen geschehen die Dinge, und wenn uns die Vereinigungs- oder Berührungspunkte nahe genug sind, fühlt unsere physische Sphäre die Wirkungen, wie sie sich in der verwirrenden Menge von Phänomenen zeigen, die die Natur hervorbringt.

Wie bereits erwähnt, sagen die Wissenschaftler erstaunliche Dinge, die im Großen und Ganzen – wenn man die vorsichtige Ausdrucksweise moderner wissenschaftlicher Methoden in Betracht zieht – einige der Lehren der Weisheit der Zeitalter bestätigen. Jedoch haben sie bisher noch nicht die Existenz unsichtbarer kausaler Welten akzeptiert – abgesehen davon, dass viele der hervorragenden verdienten Wissenschaftler und scharfen Denker ihre persönlichen Ansichten haben, die sich mit diesen Gedankengängen decken. Sie sind aber entweder zu vorsichtig, sie öffentlich zu verkünden, oder aber in ihrem eigenen Urteil zu unsicher, um sie offen auszusprechen.

[…]

Während einige der inneren, unsichtbaren Welten aus einer Substanz und Energie oder vielmehr aus Substanzen und Energien bestehen, die weit ätherischer und subtiler als diejenigen sind, die in den sichtbaren und greifbaren Welten wirksam sind und sie beleben, ja, sie strukturell zusammensetzen, gibt es ebenfalls noch weit materiellere und gröbere Welten als die durch unsere physischen Sinne wahrgenommene Welt. Diese sind für uns ebenso unsichtbar und ungreifbar wie die ätherischeren und subtileren Welten, und zwar aus demselben Grunde: Unsere physischen Sinne reagieren nämlich nicht auf die Schwingungsraten, die diesen höheren und niederen Welten angehören, sondern nur auf die besonderen und begrenzten Schwingungsraten, die unsere eigene, besondere physische Welt charakterisieren. Unsere Sinne reagieren sogar nur auf einen kleinen Teil der weit ausgedehnten Bereiche oder Abstufungen, die selbst das physische Universum enthält, wobei Letzteres die Mutter unserer Sinne und auch deren relativ begrenztes Aktionsfeld ist. Diese Beschränktheit der Kräfte unseres Sinnesapparates ist es, die uns daran hindert, uns auf die anderen, sehr unterschiedlichen Schwingungsraten „einzustellen“, die in den sichtbaren und unsichtbaren Welten vorherrschen.

Die erstaunlichen Resultate erfolgreicher wissenschaftlicher Forschung und wissenschaftlichen Studiums in jenen faszinierenden Entdeckungsbereichen, die modernes wissenschaftliches Denken unter dem allgemeinen Namen „Strahlung“ eingeordnet hat (was in der letzten Analyse nur ein Sammelname für Energien und Stoffe ist, die mit unterschiedlichen Amplituden und Raten schwingen), haben uns klar gezeigt, dass wir Menschen – trotz der wirklich wunderbaren Geschicklichkeit unseres Sinnesapparates im Erfassen gewisser Teile der Strahlenskala und in ihrer Übermittlung an unser wahrnehmendes Gehirn – bisher noch sehr wenig über die erstaunlichen Geheimnisse wissen, die die Natur schon in diesem einen Tätigkeitsfeld besitzt.

Moderne Forscher haben gesagt, dass Strahlung allein eine Skala schwingender Stoffe umfasst, die etwa siebzig Oktaven in sich schließt. Diese reichen von den uns bis jetzt bekannten durchdringendsten und härtesten Strahlen, die von Dr. Millikan zuerst „kosmische Strahlen“ genannt wurden, durch Oktaven geringerer Amplitude und geringerer Frequenz, wie zum Beispiel die Röntgenstrahlen, gewöhnliches Licht, Wärme, bis zu jenen Frequenzen, die beim Radio benutzt werden. Von dieser ganzen Reihe oder Skala von siebzig Oktaven nehmen unsere Augen höchstens eine Oktave wahr. Unser Tastsinn nimmt, wenn auch unvollkommen, einen anderen kleinen Abschnitt in dieser langen Skala wahr, den der Wärmestrahlen, denn Wärme ist ebenso wie das Licht eine Form der Strahlung.

So erstaunlich und faszinierend die Fähigkeit unserer physischen Sehwerkzeuge auch ist, wenn diese dem Gehirn die Strahlung, die wir Licht nennen, übermitteln, so ist es doch schließlich nur ein Teil von siebzig, eine Oktave von siebzig Oktaven, über die sie uns etwas mitteilen - und dieses Etwas ist eine an sich unvollkommene Information. Es ist kaum verwunderlich, dass die große Theosophin H. P. Blavatsky in ihrem Meisterwerk Die Geheimlehre schrieb, dass unser gesamtes physisches Universum nur konkret gewordenes oder kristallisiertes „Licht“ ist. Mit diesem Ausdruck meinte sie fast genau das, was die Wissenschaft seit dem zwanzigsten Jahrhundert Strahlung nennt, eine Angabe, die heute klar genug ist, wenn man richtig versteht, dass das, was physikalisch Licht genannt wird, nur eine Oktave in der Strahlungsskala ist, die sich nach beiden Richtungen, zu beiden Seiten der Lichtoktave in die für uns unsichtbaren und unberührbaren Reiche und Sphären von Kraft und Stoff ausdehnt.

Wenn also das Licht die substanzielle Basis unseres physischen Universums ist, wie sieht es dann mit den Universen oder Welten, Reichen oder Sphären intensiver Aktivität aus, auf die aufgrund der rechts und links weitergehenden Strahlungsskala geschlossen werden kann, die wir weder sehen noch fühlen, noch durch sonst einen unserer fünf Sinne erkennen können, von denen wir jetzt aber durch die Arbeit moderner Wissenschaftler erfahren? Tatsächlich würde der Schüler der Esoterischen Philosophie diese Skala von siebzig Oktaven nur als einen größeren Teil jener besonderen Gefilde kosmischer Aktivität und Substanz bezeichnen, die in den niederen Bereichen des Astrallichtes, wie er es nennt, enthalten sind.

Statt über siebzig Strahlungsoktaven oder aktiven Schwingungen in der Materie gibt es für Schüler der Esoterischen Philosophie zumindest einhundert, deren zugehöriges Gebiet die physischen und astralen Welten sind. Über diesen und jenseits von ihnen liegen, soweit es größere Ätherhaftigkeit anbetrifft, buchstäblich unvorstellbare Gefilde kosmischer Aktivität, von denen jede Sphäre, jede Ebene, jedes Reich seine eigene Ansammlung an Substanzen und Kräften besitzt und folglich mit Welten und Sphären, Wesen und Dingen angefüllt ist, die dorthin gehören. Hier mag der gewissenhafte Schüler vielleicht so etwas wie einen Anfang eines wissenschaftlichen Beweises sehen für die Behauptung, dass es Welten innerhalb von Welten gibt, dass ätherischere Substanzen innerhalb gröberer Substanzen existieren, wobei Erstere die ursächlichen Noumena der Letzteren sind. Somit erkennen wir den Grund für den alten Ausspruch, dass die sichtbare, greifbare, sogenannte physische Welt nur der Schleier oder das Gewand ist, das das Unsichtbare und nicht Sichtbare bekleidet und bedeckt.

Und dies ist nicht alles: Denn diese unsichtbaren oder ungesehenen, diese nicht greifbaren, nicht gefühlten Welten oder Universen sind, wie hier schon wiederholt gesagt wurde, die kausalen Noumena dessen, was wir Menschen mit unseren Sinnen wahrnehmen und mehr oder weniger erfolgreich erkennen können und daher als die Welt materieller Substanzen und Kräfte kennen.

[…]

Wo aber sind diese unsichtbaren und für uns Menschen nicht greifbaren Welten und Sphären des gesamten Kosmos, des Universums, zu denen wir nur kosmische Beziehungen haben? Und was ist gemeint, wenn in Bezug auf diese anderen Ebenen und Sphären von „übergeordnet“ oder „untergeordnet“, von „hoch“ oder „niedrig“ gesprochen wird? Damit ist nicht unbedingt gemeint, dass sie sich „oberhalb“ oder „unterhalb“ von uns befänden.

Diese anderen Welten, Sphären und Ebenen durchdringen unsere Welt, unsere Sphäre, unsere Ebene, wobei wir uns durch sie hindurch bewegen, wie sie sich ebenfalls durch uns hindurch bewegen, ja, sich mit unserer physischen Welt vermischen. Sie werden ebenso wenig von uns mit unseren groben physischen Sinnen wahrgenommen, wie ihre Bewohner uns und unsere Welt wahrnehmen, sich unserer Sphäre bewusst sind.

Es gibt eine sehr bemerkenswerte Stelle in der Geheimlehre von H. P. Blavatsky, die auf dieses Thema Bezug nimmt. Sie sagt:

… so versetzt der Okkultist diese Sphären weder außerhalb noch innerhalb der Erde, wie es die Theologen und die Dichter tun; denn ihre Lage ist nirgends in dem den Profanen bekannten und von ihnen verstandenen Raume. Sie sind gewissermaßen mit unserer Welt vermischt – sie durchdringen sie und sind von ihr durchdrungen. Es gibt Millionen und Millionen von uns sichtbaren Welten; es gibt eine noch größere Anzahl außer den für das Fernrohr sichtbaren, und viele von der letzteren Art gehören nicht unserer objektiven Daseinssphäre an. Obwohl so unsichtbar, als ob sie Millionen von Meilen jenseits unseres Sonnensystems wären, sind sie doch bei uns, uns nahe, innerhalb unserer Welt, ebenso objektiv und materiell für ihre betreffenden Bewohner wie die unsrige für uns … ; eine jede untersteht gänzlich ihren eigenen Gesetzen und Bedingungen und hat keine unmittelbare Beziehung zu unserer Sphäre. Die Bewohner dieser Welten können, wie bereits gesagt, soviel wir wissen und fühlen, durch uns und rund um uns vorbeiziehen wie durch den leeren Raum; sogar ihre Wohnungen und Länder sind mit den unsern vermengt, aber stören nicht unseren Gesichtskreis, weil wir bis jetzt noch nicht die Fähigkeiten haben, die zu ihrer Unterscheidung notwendig sind …

Nichtsdestoweniger existieren solche unsichtbaren Welten tatsächlich.

Ebenso dicht bewohnt wie unsere eigene, sind sie durch den scheinbar leeren Raum in unermesslicher Anzahl verstreut; einige viel materieller als unsere eigene Welt, andere stufenweise ätherisch werdend, bis sie formlos werden und wie „Atem“ sind. Die Tatsache, dass unser Auge sie nicht sieht, ist kein Grund dafür, an sie nicht zu glauben. Die Physiker können ihren Äther, ihre Atome, „Bewegungsarten“ oder Kräfte auch nicht sehen, und doch nehmen sie diese an und lehren sie …

Wenn wir uns aber eine Welt vorstellen können, die aus einem Stoffe besteht, der für unsere Sinne noch verfeinerter ist als der Schweif eines Kometen, somit Einwohner darauf, die im Verhältnis zu ihrer Kugel ebenso ätherisch sind wie wir im Verhältnis zu unserer felsigen, hartkrustigen Erde, so ist es kein Wunder, wenn wir sie nicht wahrnehmen und ihre Gegenwart oder auch nur Existenz nicht fühlen. …

H. P. Blavatsky, Die Geheimlehre, Bd. I, S. 662 ff.

Wie allerdings könnten wir ihrer Anwesenheit oder auch nur ihrer Existenz gewahr werden, solange unsere Sinne nicht genügend entwickelt sind, um diese unsichtbaren Welten und ihre Bewohner zu bemerken, Sinne, die fähig wären, uns Bürgern dieser physischen Ebene von ihnen zu berichten? Dennoch haben wir aber subtilere, innere Sinnes- und Verstandesorgane, die den wirklichen, inneren Menschen ausmachen – jenen Teil unserer Konstitution, dessen tiefere Teile an die inneren, höheren Teile des Kosmos geknüpft sind, genauso wie unser physischer Körper in ähnlicher, vielleicht gar in gleicher Weise mit der physischen Erde verbunden ist.

Gottfried von Purucker: Sichtbare und unsichtbare Welten

Gottfried von Purucker:
Sichtbare und unsichtbare Welten

ISBN 978-3-924849-58-0 (Paperback)
ISBN 978-3-924849-69-6 (Hardcover)
 

Dieses Buch bestellen >

 

Startseite
Impressum

Gottfried von Purucker
© Die Theosophische Gesellschaft Point Loma – Covina · Gödekeweg 8 · 30419 Hannover